Schreibinspiration

Die Feder zwischen uns und der Welt.


Wahrhaftig wirst du dich mit etwas verbinden. Es ist etwas absurd über das Schreiben zu schreiben. Nicht doch weil dem Geist Jovialität nicht gut stünde, jedoch mehr aus dem Interesse an unserem Inneren heraus, an all das Große, für das Auge nicht Sichtbare, an all dem was da nächtelang vor einer Schreibmaschine sitzen möchte. Weil doch der Geist eher nach Tiefe strebt. Und weil es doch vielleicht jedem etwas anderes gibt. Und nimmt. Manche müssen es. Nein, nicht manch einer. Sehr viele. Sehr viele müssen es. Und diese jenen müssen es, wie alle das Atmen müssen. Und ich spreche von Zeilen, diese nie jemand zu verweilen bekommen wird. Weil sie so intim und deshalb so genial aus tiefster Seele auf Blatt gefühlt wurden, dass man sie einst verbrennt, dass man sie unberührt in sich zurück wirft. Mit Unberührt meine ich das Nicht Veröffentlichen. Denn, nicht ein Leser soll diese Welt betreten. Was dem heraus geschrieben wurde, was es rief und dem die Türe öffnete, was überquoll, was sich selbst heraus presste wie eine Epiphora, um nicht in Ignoranz blau anzulaufen, nicht in Einsamkeit zu ersticken und wir es so in Form von Silben auffangen, Räume die wir seit unserer Kindheit schon austrugen.

Weil sie heilig sind und heilig ist dies, mit was man sich verbindet, sobald man beginnt den Geist, die Phantasie, den Schmerz, die Fragen und den Mantel der Sehnsucht aufzunehmen und in Form von Hoffnung den Hut zu ziehen, legt man all dies in die Schreibmaschine und beginnt das Wahre schreiben. Du verbindest dich, mit deinem höheren Selbst. Mit einer höheren Form. Du wirst dir mit dem stetigen Schreiben dein bester Freund. Ganz einfach, weil du dir urteilslos, so hoffe ich lieber Leser, selbst zuhörst. Du entführst dich in eine eigene Welt. Verinnerliche, dass du nichts veröffentlichst. Es wird in dieser Welt doch niemand über dich richten geschweigedenn urteilen. Und wenn du es mit der Welt teilen möchtest, so erlaube ihnen zu urteilen, so wie sie es Tag ein und Tag aus tun. Stelle dir zwei Stühle vor, auf dem sitzt zum einem dein Unterbewusstsein und gegenüber all jenes du wegsperrst. Wie viel es zu berichten gibt aus einem Raum der Wahrheit, wird dir gegeben, indem du einfach deine Finger über eine Tastatur schlendern lässt.

“ When you´re writing, you´re trying to find out something which you don´t know. The whole language of writing for me is finding out what you don´t want to know, what you don´t want to find out. But something foces you to anyway. “

J. Baldwin.

Wer schreibt, der weiß, dass nur weil man gerade nicht schreibt, es nicht bedeutet, dass man nicht schreibt. Dort tief in einem, ist etwas so unverschämt lebendig, dass es die Güte und Würde besitzt, alles versucht in Worte zu fassen, in eine Realität zu verfassen, um die Dinge zu be-greifen. Als würde der Geist sie ertasten. Als hätte er eine Zunge und würde dem Leben über das Haupt lecken um es zu erkunden, für sich in seiner ganz eigenen Philosophie verarbeiten wollen. Ich kann hier nicht behaupten, dass er es verstehen will. Denn dieses wäre arrogant, gar vulgär. Es ist zu groß um es zu ignorieren und zu klein um nicht unseren Schutz, als Mensch, über seine unschuldige Schönheit zu stülpen. Diesen kurzen Augenblick den wir hier auf Erden verbringen, können wir versuchen zu erkunden.





„Das ist im Grunde der einzigste Mut, der von uns verlangt wird: Mut für das Seltsamste, das Einmaligste und das Unerklärlichste zu haben, dem wir begegnen können.“

Rilke.


Und an dieser Stelle erinnere ich mich an den Brief von Rilke an seinen Freund, dieser sich so sehr für sein Geschriebenes nach Anerkennung sehnte.
-Ausschnitt des Briefes:

„Wenn ich diese Notiz vorausschicke, darf ich Ihnen nur noch sagen, dass Ihre Verse keine eigene Art haben, wohl aber stille und verdeckte Ansätze zu Persönlichem. Sie fragen ob ihre Verse gut sind. Sie fragen mich. Sie haben vorher andere gefragt. Sie senden sie an Zeitschriften. Sie vergleichen sie mit anderen Gedichten, und sie beunruhigen sich, wenn gewisse Redaktionen ihre Versuche ablehnen. Nun, bitte ich sie, das alles aufzugeben. Sie sehen nach außen und das vorallem dürfen sie nicht tun. Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand! Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund der Sie schreiben heißt, prüfen Sie ob er in der tiefsten Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben müssten, wenn es Ihnen versagt würde zu schreiben. Dieses vorallem: fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: muss ich schreiben ?

Dann versuchen Sie wie ein erster Mensch, zu sagen, was Sie sehen und erleben und lieben und verlieren. Schildern Sie Ihre Traurigkeiten und Wünsche, die vorrübergehenden Gedanken und den Glauben an irgendeine Schönheit – schildern Sie das alles mit inniger, stiller, demütiger Aufrichtigkeit. Und wenn aus dieser Wendung nach innen, aus dieser Versenkung in die eigene Welt Verse kommen, dann werden Sie nicht daran denken, jemanden zu fragen, ob es gute Verse sind. Sie werden auch nicht den Versuch machen, Zeitschriften für diese Arbeiten zu interessieren: denn Sie werden in ihnen Ihren lieben natürlichen Besitz, ein Stück und eine Stimme Ihres Lebens sehen.
Ein Kunstwerk ist gut wenn es aus Notwendigkeit entstand.“

„Schreiben heißt, zu niemandem und zu jedem die Dinge zu sagen, die man niemandem sagen kann. Oder viel mehr heißt Schreiben, zu dem Niemand, der vielleicht irgendwann der Leser sein wird, die Dinge zu sagen, für die man niemanden hat, dem man sie sagen kann. Dinge, die so subtil, so persönlich, so obskur sind, dass ich mir normalerweise nicht vorstellen kann, sie den Menschen zu sagen, die mir am nächsten stehen. Hin und wieder, versuche ich sie laut auszusprechen, und stelle fest, dass das, was in meinem Mund zu Brei wird oder nicht in ihre Ohren dringt, für völlig fremde niedergeschrieben werden kann. Gesagt zu völlig Fremden in der Stille des Schreibens, die in der Einsamkeit des Lesens wiedergewonnen und gehört wird. Ist es die gemeinsame Einsamkeit des Schreibens, ist es, dass wir alle getrennt an einem Ort leben, der tiefer liegt als die Gesellschaft von zweien ? Ist es, dass die Zunge versagt, wo die Finger erfolgreich sind, wenn es darum geht, Wahrheiten auszusprechen, die so langatmig und so nuanciert sind, dass es fast unmöglich ist, sie laut auszusprechen?“

Maria Popova.

Es erschien mir komplex über das Schreiben zu schreiben. Als würde ich Verrat an einer anderen Welt begehen, als würde ich etwas berichten was ich nicht sollte. Als würde ich eine Form des Ausdrucks ausseinandernehmen, anstatt sie anzunehmen wie sie ist und sie mit mir machen lassen, was sie soll. Es ist etwas was einem geschenkt wird, etwas so Heiliges. Ich möcht es nicht wagen es je wieder zu analyisieren. Es je wieder versuchen zu beschreiben, zu berühren. Staunen.

Das Geschriebene ist überall. Vorallem in der Natur. Eine wahre Schreibinspiration ist somit Schmerz, ist Freude, ist Phantasie, ist Mitgefühl, ist Neugier, ist Stille, Ist immer Viel. Aus dem Wenigsten heraus Vieles ziehen können. Ist Mensch sein. Ist Liebe.

J. Arnoldt

Love Letters from Paddington

In the alleys of London: where tales need to be written.

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