Vergangenen Freitag war ich zu meinem zweiten Meetup verabredet. „L“. die Veranstalterin, ist die Göttin der Frauen Geheimnisse, eine Ikone ihrer Zeit und insgeheim eine Königin, aber das ist ihr nicht bewusst. Während ich mich in Gesprächen mit Damen befinde und all die immer gleichen Fragen wie ein einparfüminierter Roboter beantworte, krallt sich mein Blick stets still und leise an ihren aktuellen Standort. Wie ein Wimmelbild. Aus dem dich der Sound einer E Gitarre umfließt. Finde „L“.
Und habe ich sie wieder entdeckt, studiere ich ihre zusammengepressten, fokussierten Augen, die jeden und alles stets im Blick haben. Sie scannt ihren Abend, ihre Besucherinnen und ob sie sich an einem Getränk festhalten. Ihre Mimik, steht trügerisch still, sie liegt auf ihrem Zeige und Mittelfinger. Wiederum diese Geste wird gestützt von ihrem Ellbogen, der sich in ihren zarten Oberschenkel spitzt, die Beine übereinander gefaltet.
So edel und ruhig, als wäre kein Puls vorhanden, wie der Elizabeth Tower ohne Sekundenzeiger. Nur ihre Augäpfel flimmern durch den Raum. Und wenn ihr is everything fine Laser ganz langsam auch auf mich zukommt, ducke ich mich, indem ich rasch mit dem Kopf nicke, als würde ich aktiv einem Gespräch folgen. Oder springe über ihn, indem ich meine Lippen in mein Glas Rotwein tupfe.
Der Abend gibt sich der Nacht hin und legt sich in die Arme des Vergessens. Immer wieder begrüßt sie neue Besucherinnen, Küsschen rechts, Küsschen links, Geflüster im Solarplexus. Sie küsst viele Wangen. Und die feinen Härchen auf den geküssten Wangen steuerten alle Richtung Bar. Dort staute sich an jener Theke der Durst des Verlangens und die weiblichen Körper schmiegten sich gekonnt aneinander und schenken sich tiefe Blicke.
Den meisten Gesprächen höre ich nie wirklich zu. Vor dem Fenster tanzt eine Regenbogenfahne den Charleston in die Leere dieser Londoner Gasse hinein. „L“. saß auf einem grünem Samt Sofa. Ihr seidener Kimono, den sie diesen Abend trug, stimmte hervorragend zu dieser Sitzpause als Detektivin, die Kombination gleicht einer Tulpe, grüne Blätter, rosa Blüten. Ein Teich voller Frauen. Voller schöner Seerosen.
So halte ich mich heute Abend an meinen Gedanken fest um mit ihnen davon zu fliegen. Mein Zweites Meetup. Alte und Neue Begegnungen begießen, behalten, begreifen, bewundern, beschreiben. Um sie Jahre danach aus dem Kopfkissen, zum Fenster hinaus zu schütteln, weil man nachts von ihnen träumte. Die nach mir greifenden Hände verfolgen mich.
In der Retro Bar. Nahe der Charing Cross Station. Eine magische Bar. Du gehst eine Treppe hinauf. Lässt alles Schwere unten warten. Du stehst in einem pinken Raum, mit all den Künstlern und Legenden. Madonna, The Cure, Nina Hagen, Jean-Michel Basquiat über Sinéad O’Connor bis Yoko Ono, The Talking Heads und The Rolling Stones. All unsere Ikonen sich in Bildern unterhaltend, in einem dumpfen Echo von Antlitz und Ehre, in einem goldenen Rahmen.
So zieren sie stolz die alten Wände. Dicht aneinander, all die Geschichten eingewebt in Lichterketten, so filigran , tausende von kleinen bunten Lichtern. Eine verzauberte Gedenkstätte, als würden sie alle mit uns die Gläser heben. „Who wants to live forever?“, höre ich Freddie Mercury in seinem Rahmen singen.
Ich nahm die Jubilee line von Bermondsey aus und wechselte in Waterloo in die Northern Line. Sprang pfeifend die Charing Cross Station heraus, ließ sie hinter mir und verschwand draußen nach rechts. Etwa nach 3 Minuten, machen sich rechts ein paar Stufen in eine lange schmale Gasse hinunter auf. In dieser schmalen Gasse ist einzig und allein, wie ein stolzes Einzelkind, die Retro Bar zu sehen. Diese ihre Gäste schon vor der Bar unterhält und somit, eine von Millionen Möglichkeiten mehr, diese in den Londoner Verstecken zum Träumen verführt.
Die Retro Bar in London, ein Geheimtipp in der LGBTQ+ Szene. Eine bezaubernde Bar.
