Wir saßen im Kino in der 11/18 Panton St. Draußen regnete es in Strömen. Du saßt barfuß neben mir. Deine Schuhe zum Trocknen gedacht. Die kleinen gedimmten Wandleuchten sahen uns in Grün zu, wie unsere Popcorn Schachtel hin und her wanderte.
Denn wir bestellten süßes und salziges Popcorn in einem, weil wir uns nicht entscheiden konnten und jeder zupfte mit seinen Fingern genau die Sorte aus dem dunklem Kino diese ihm nicht schmeckte. Wie 1000 Freilose, in jeder eine Niete, weil er es am Ende nur gut für den anderen meinte.
Ich kann den Regen draußen hören, wie er auf dem Boden aufschlägt. Deine Füße reiben sich mit den Dialogen auf dem Bildschirm aneinander, als würden sie das Drehbuch kennen und sich mit den Silben wärmen. Du warst sauer auf mich, weil ich keinen Regenschirm mit mir hatte. Es war der 26. August. Ich werde diesen Tag nie vergessen.
Mit dem sich Aufziehen der großen Vorhänge an der Leinwand, pochte mein Herz ein stotterndes Lied vor sich hin, denn es war unser letzter Abend zusammen und somit der schmerzhafteste Widerspruch dieses Augenblicks, denn unser Vorhang zog sich zu. Das gesamte Kino hob ab, in ein eigenes Universum. Dein Barfuß glich der nackten Wahrheit, wie wir von Gott gedacht waren und alles stand auf einmal still.
Einzelne Popcorn Flocken ahmten einen Januartag nach und schwebten in Zeitlupe durch den Raum. Deine Lippen kommentierten lautlos einen Filmausschnitt. Einzelne beleuchtete Gesichter als helle milchige Farbtupfer setzte man in dieses Abschiedsbild. Und ich dachte mir, ich bin doch gar nicht hier. Das passiert gerade alles nicht wirklich. Mir ist schwindelig und dein Kopf auf meiner linken Schulter war schwer. All deine Gedanken, kann meine Schulter nicht alleine tragen.
Ich dachte an die Füchse in Bermondsey bei Nacht, wie diese da standen. Unter den orangenen Laternen und ihr rotes Fell mich reflektierend, an mein eigenes atmen erinnerten, an all das Eigentliche erinnerten, mich zurück an mich selbst erinnerten. Während sie ihre großen Ohren aufstellten und beobachteten, dass sie beobachtet werden. Jeder beobachtet jemanden. Der Mond aß Popcorn salzig und beobachtete, wie ich seine leuchtenden Füchse beobachtete.
Dein Zeigefinger stoppte eine Träne auf meiner Wange, sie ronn dir weiter übers Handgelenk in deinen Ärmel, wie ein Marienkäfer. Ich nahm dich in den Arm, ich nahm dich fest in meinen Arm. Und hätte ich dir an dem Abend mit diesen schweren Vorhängen geglaubt, dass du ein paar Wochen später in das Flugzeug steigst und mich besuchst, hätte der Film mehr Perspektive gehabt.
Ich liebe Dich und trotzdem mag ich keine salzigen Popcorn. Dieses Kino, befindet sich am Rande Londons und Taschentücher gibt es nicht, auch keine Regenschirme, aber Beifall, den gibt es. Dann wenn das Flugzeug abhebt, ja dann gibt es diesen einen Moment. Applaus aus den Turbinen, weil alles in mir Zugabe ruft. Weil alles in mir Zugabe ruft.
